Geschichte der bilateralen Beziehungen
Zwischen Deutschland und der Türkei gibt es zahlreiche, weit zurückreichende bilaterale Beziehungen. Die nachstehend genannten Ereignisse und Projekte sind nur eine kleine Auswahl:
| 1868 | Gründung der Deutschen Schule Istanbul - Alman Lisesi - als "deutsche und schweizer Bürgerschule" |
|---|---|
| 1909 bis 1912 | Bau der Galata-Brücke in Istanbul durch die "Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg AG" (heute MAN-AG) |
| ab 1914 | Untericht durch deutsche Lehrer am staatlichen Istanbul Lisesi (mit kriegsbedingter Unterbrechung bis 1956) |
| 1900 - 1917 | Bau der Bagdad-Bahn (Erteilung der Konzession 1888, Baubeginn 1900) Mit der Grundsteinlegung am 30.05.1906 wurde mit dem Bau des Ausgangspunktes, dem Kopfbahnhof Haydarpasa begonnen, welcher in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Der Bahnhof wurde von der Firma Phillip Holzmann AG gebaut. |
| 1929 | Eröffnung der Zweigstelle des Deutsche Archäologische Institut in Istanbul. Eines der bekannteren Ereignisse auf diesem Gebiet sind dabei die Forschungen von Prof. Dr. Manfred Korfmann im Bereich des ehemaligen Troya, die weltweit Aufsehen erregten, aber auch neuere Grabungen wie in Milet, Priene, Didyma, Hattuscha und Pergamon sind bedeutende Projekte. |
| 1933 - 1945 | In den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fanden mehr als 80 namhafte deutsche Wissenschaftler und Künstler in der Türkei Zuflucht vor der Verfolgung durch das Nazi-Regime. Sie waren in vielen verschiedenen Bereichen tätig, wie der Architekt Bruno Taut, Nationalökonomen wie Alexander Rüstow, Gerhard Kessler und Wilhelm Röpke, oder auch der Jurist Ernst E. Hirsch. Der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin Ernst Reuter war in dieser Zeit mehrere Jahre lang Experte für Verwaltungs-und Verkehrsfragen in Ankara und Istanbul. Aber auch andere Persönlichkeiten wie der frühere Berliner Opernintendant Carl Ebert, der Komponist Paul Hindemith, der Jurist Andeas Schwarz, Philosophen und Orientalisten wie Ernst von Aster und Helmut Ritter, Naturwissenschaftler und Mediziner wie Friedrich Dessauer und Rudolf Nissen und der Musikpädagoge Eduard Zuckmayer haben in der Türkei gelebt. |
| 1986 | Einführung des sogenannten Anadolu-Programms, welches in diesem Jahr sein 22-jähriges Bestehen feiert. Ziel dieses Lehrerentsendeprogramms war es, den vielen türkischen Rückkehrerkindern den Einstieg in das türkische Schulsystem zu erleichtern. Zum Anadolu-Programm gehörten deshalb landesweit Schulen nicht nur mit Deutsch als erster Fremdsprache, sondern mit deutschsprachigem Fachunterricht. Derzeit sind etwa 30 entsandte deutsche Lehrer an 12 staatlichen Anadolu-Gymnasien in Ankara, Istanbul, Izmir, Antalya und Adana tätig. Der Anteil der Rückkehrerkinder an diesen Schulen ist von früher von 40 - bis 50 % auf jetzt etwa 4 % zurückgegangen. Das aktuelle Hauptziel des Anadolu-Programms ist deshalb die Vorbereitung der türkischen Schüler auf das Deutsche Sprachdiplom Stufe II der Kultusministerkonferenz, das jedes Jahr 400 bis 500 Schüler erwerben. Das Deutsche Sprachdiplom Stufe II gilt als Nachweis von Deutschkenntnissen bei einem Hochschulstudium in Deutschland und berechtigt in Verbindung mit der bestandenen türkischen Hochschulzugangsprüfung zum Studium in Deutschland. |
Die Bundesrepublik Deutschland vergibt über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) jedes Jahr drei Stipendien an besonders geeignete Schüler dieser 12 Anadolu-Gymnasien. Diese Stipendien umfassen ein fünfjähriges Studium an einer deutschen Universität.
Die geförderten Anadolu-Lisesi sind:
Bahcelievler Anadolu Lisesi, Istanbul (Tel. 0212 - 575 67 22)
Gaziosmanpasa Anadolu Lisesi, Istanbul (Tel. 0212 - 618 43 73)
Cagaloglu Anadolu Lisesi, Istanbul (Tel. 0212 - 522 58 54)
Üsküdar Anadolu Lisesi, Istanbul (Tel. 0216 - 334 93 20)
Kartal Anadolu Lisesi, Istanbul (Tel. 0216 - 352 11 05)